Unternehmensplanung war schon immer ein zentrales Führungsinstrument. Heute ist sie mehr denn je eine Voraussetzung für tragfähige Managemententscheidungen, für belastbare Finanzierungsgespräche und für wirksame Krisenfrüherkennung. Genau deshalb entwickeln sich auch die Grundsätze ordnungsgemäßer Planung (GoP) des BDU weiter.
Ich durfte bereits an den GoP / BDU 3.0 mitarbeiten und leite derzeit das Projekt- und Redaktionsteam für die Weiterentwicklung zur Version 4.0. Auch wenn die neue Fassung noch nicht veröffentlicht ist, zeichnet sich bereits klar ab: Die GoP / BDU 4.0 werden nicht nur eine Fortschreibung, sondern eine spürbare inhaltliche Weiterentwicklung sein.
Denn die Anforderungen an Unternehmensplanung haben sich verändert – durch StaRUG, durch verschärfte Erwartungen an Risikomanagement und Krisenfrüherkennung, durch Nachhaltigkeit / ESG und nicht zuletzt durch den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Planungsprozessen.
Warum die GoP weiterentwickelt werden müssen
Die GoP / BDU 3.0 haben bereits eine wichtige Grundlage geschaffen. Sie haben deutlich gemacht, dass ordnungsgemäße Unternehmensplanung mehr sein muss als eine rein rechnerische Vorschau. Planung muss nachvollziehbar, transparent, plausibel und entscheidungsrelevant sein. Außerdem wurde bereits in der Version 3.0 klar herausgearbeitet, dass integrierte Planung, Kennzahlen, Soll-Ist-Vergleiche, Forecasts und die Verbindung zur Krisenfrüherkennung keine Nebenthemen sind.
In der Praxis zeigt sich aber zunehmend, dass Unternehmensplanung heute unter deutlich komplexeren Rahmenbedingungen stattfindet als noch vor wenigen Jahren.
Dazu gehören unter anderem:
- zunehmende Markt- und Finanzierungsunsicherheiten,
- höhere Anforderungen an Dokumentation und Governance,
- stärkere regulatorische Erwartungen an die Krisenfrüherkennung,
- ESG-bezogene Auswirkungen auf Investitionen, Finanzierung und Geschäftsmodell,
- sowie neue Chancen und Risiken durch KI-gestützte Planungssysteme.
Deshalb ist eine Weiterentwicklung der GoP nicht nur sinnvoll, sondern notwendig.
Was gute Unternehmensplanung heute leisten muss
Aus meiner Sicht muss moderne Unternehmensplanung heute mindestens fünf Dinge gleichzeitig leisten:
1. Sie muss Entscheidungen vorbereiten
Planung ist kein Selbstzweck. Sie muss dazu dienen, unternehmerische Entscheidungen auf eine belastbare Grundlage zu stellen.
2. Sie muss integrierte Wirkungen sichtbar machen
Eine ordnungsgemäße Planung darf Ergebnis, Bilanz und Liquidität nicht isoliert betrachten. Sie muss die Zusammenhänge zeigen.
3. Sie muss Unsicherheit ernst nehmen
Wer plant, als sei die Zukunft sicher, plant an der Realität vorbei. Gute Planung berücksichtigt Chancen, Risiken, Bandbreiten und Szenarien.
4. Sie muss dokumentiert und nachvollziehbar sein
Eine Planung ist nur dann belastbar, wenn Dritte – intern oder extern – ihre Herleitung und ihre Prämissen verstehen können.
5. Sie muss steuerungsfähig bleiben
Planung endet nicht mit der Freigabe. Sie muss in die laufende Unternehmenssteuerung überführt werden: über Kennzahlen, Soll-Ist-Vergleiche, Forecasts und Maßnahmen.
Worum es in deN GoP / BDU 4.0 inhaltlich besonders geht
Die Weiterentwicklung zur Version 4.0 setzt an genau diesen Punkten an. Ohne der endgültigen Fassung vorzugreifen, lassen sich die wesentlichen Linien bereits gut benennen.
1. Risiko und Krisenfrüherkennung werden deutlich stärker integriert
Ein wesentlicher Schwerpunkt der GoP / BDU 4.0 liegt auf der stärkeren Verzahnung von Unternehmensplanung und Risikomanagement.
Dabei geht es insbesondere um:
- Risikoidentifikation
- Risikoquantifizierung
- Risikoaggregation
- Bandbreitenplanung
- Gefährdungswahrscheinlichkeit
- und den Bezug zur Bestandsgefährdung nach § 1 StaRUG
Gerade in der Beratungspraxis zeigt sich immer wieder: Eine Planung ist nur dann wirklich belastbar, wenn sie nicht nur Erwartungswerte zeigt, sondern auch erkennbar macht, welche Abweichungen möglich sind und welche Konsequenzen daraus entstehen können.
Das betrifft insbesondere Fragen wie:
- Reicht die Liquidität auch unter Belastungsszenarien?
- Werden wichtige Finanzierungskennzahlen eingehalten?
- Gibt es Risiken für Rating, Covenants oder Kreditspielräume?
- Sind bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig erkennbar?
Genau an dieser Stelle wird die Version 4.0 spürbar tiefer als die Version 3.0.
2. Nachhaltigkeit / ESG wird als Planungsfaktor ernst genommen
Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr nur ein Thema für Berichte oder Imagefragen. In vielen Unternehmen hat sie konkrete Auswirkungen auf:
- Investitionsentscheidungen,
- Kostenstrukturen,
- Marktchancen,
- Stakeholdererwartungen,
- Finanzierung,
- und regulatorische Anforderungen.
Deshalb ist es folgerichtig, Nachhaltigkeit in der GoP 4.0 stärker zu verankern. Das betrifft insbesondere:
- ESG-Risiken und -Chancen
- CSRD / ESRS
- EU-Taxonomie
- Lieferkettensorgfalt
- und die Einbindung von Nachhaltigkeit in die strategische und operative Planung
Wichtig ist dabei aus meiner Sicht: Nicht jedes Unternehmen braucht die gleiche Tiefe. Aber überall dort, wo Nachhaltigkeit wesentliche Auswirkungen auf Geschäftsmodell, Risiko, Finanzierung oder Wettbewerbsfähigkeit hat, gehört sie in die Planung.
3. AI / KI in der Unternehmensplanung braucht klare Leitplanken
Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt ist die systematische Auseinandersetzung mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Unternehmensplanung.
AI / KI-gestützte Verfahren können hilfreich sein, etwa bei:
- Prognosen,
- Mustererkennung,
- Datenaufbereitung,
- Abweichungsanalysen,
- Forecast-Unterstützung,
- Szenarioableitungen.
Aber: AI / KI ersetzt weder unternehmerisches Urteil noch Verantwortung.
Deshalb ist die zentrale Leitidee aus meiner Sicht:
AI / KI ist ein Unterstützungswerkzeug – nicht der Träger der unternehmerischen Entscheidung.
Wenn Unternehmen KI in der Planung einsetzen, müssen insbesondere folgende Punkte beachtet werden:
- Qualität und Eignung der Datengrundlage
- Transparenz des Vorgehens
- Dokumentation
- Plausibilisierung der Ergebnisse
- Freigabe durch fachkundige Verantwortliche
- Governance und regulatorische Anforderungen
Gerade hier ist eine berufsständische Einordnung wichtig, damit der Einsatz neuer Technologien nicht zu einem Verlust an Nachvollziehbarkeit oder Verantwortung führt.
Warum das für Finanzierung, Controlling und Unternehmenssteuerung so relevant ist
Im BDU Fachverband Finanzierung + Controlling ist der Zusammenhang besonders offensichtlich: Die Qualität der Unternehmensplanung entscheidet in vielen Fällen darüber, ob ein Unternehmen als steuerungsfähig, finanzierungsfähig und krisenrobust wahrgenommen wird.
Das gilt insbesondere bei:
- Bankengesprächen
- Investitionsentscheidungen
- Gesellschafterdiskussionen
- Restrukturierungen
- Sanierungen
- Unternehmensbewertungen
- Nachfolge- und Verkaufssituationen
Eine gute Unternehmensplanung schafft Vertrauen. Eine schwache oder wenig nachvollziehbare Planung erzeugt dagegen Unsicherheit – intern wie extern.
Deshalb sind GoP / BDU nicht nur ein theoretischer Standard, sondern ein sehr praktischer Maßstab.
Was mir bei deN GoP / BDU 4.0 besonders wichtig ist
Bei aller inhaltlichen Erweiterung ist für mich entscheidend, dass die GoP / BDU 4.0 nicht nur „umfangreicher“, sondern vor allem klarer und anwendbarer werden.
Wichtig ist mir insbesondere:
- eine klare Trennung von Mindestanforderung und Empfehlung
- hohe Begriffskonsistenz
- gute Nachvollziehbarkeit
- starke Praxistauglichkeit
- und eine Formulierung, die auch für KMU anwendbar bleibt
Denn ein guter Standard muss nicht nur fachlich richtig sein. Er muss auch in der Beratung und in den Unternehmen tatsächlich nutzbar sein.
Mein Fazit
Die Weiterentwicklung der GoP / BDU 4.0 ist aus meiner Sicht ein konsequenter und notwendiger Schritt.
Unternehmensplanung muss heute mehr leisten als noch vor wenigen Jahren. Sie muss:
- Entscheidungen vorbereiten,
- integrierte Wirkungszusammenhänge abbilden,
- Risiken systematisch einbeziehen,
- Krisenfrüherkennung unterstützen,
- Nachhaltigkeitsanforderungen berücksichtigen
- und mit neuen Technologien verantwortungsvoll umgehen.
Die GoP / BDU 4.0 haben das Potenzial, genau dafür einen noch stärkeren fachlichen Rahmen zu bieten.
Was das für Unternehmen konkret bedeutet
Für Unternehmen heißt das in der Praxis vor allem:
- Unternehmensplanung sollte nicht isoliert, sondern als Teil der Unternehmenssteuerung verstanden werden.
- Planung muss integriert, dokumentiert und risikoorientiert aufgesetzt sein.
- Forecast, Soll-Ist-Vergleich und Kennzahlensystem gehören nicht an den Rand, sondern in den Kern guter Steuerung.
- Nachhaltigkeit und KI sollten dort berücksichtigt werden, wo sie tatsächlich planungsrelevant sind.
- Finanzierung, Rating und mögliche vertragliche Auflagen müssen frühzeitig mitgedacht werden.
Unterstützungsbedarf bei Unternehmensplanung, Finanzierung oder Krisenfrüherkennung?
Wenn Sie sich mit Fragen rund um
- integrierte Unternehmensplanung,
- Finanzierungsplanung,
- Kennzahlen- und Steuerungssysteme,
- Krisenfrüherkennung,
- Risikoorientierung der Planung
- oder der Plausibilisierung von Planungen gegenüber Banken, Gesellschaftern oder Dritten
beschäftigen, sprechen Sie mich gerne an.
Auf meiner Website
www.macro-unternehmensberatung.de
finden Sie weitere Informationen zu meinen Leistungen in den Bereichen Unternehmensberatung, Finanzierung, Restrukturierung und Controlling.
Über den Autor
Ich begleite Unternehmen seit vielen Jahren in den Themenfeldern Unternehmensplanung, Finanzierung, Controlling, Restrukturierung und Krisenprävention.
An der Entwicklung der GoP / BDU 3.0 war ich bereits beteiligt. Aktuell leite ich das Projekt- und Redaktionsteam für die Weiterentwicklung der GoP / BDU 4.0